Die Pädagogischen Lesungen in der DDR 1950-1989

Forschung - Forschungsprojekte - Schul- und Freizeitsport

Nach Ende der DDR war vor allem der Leistungssport mit den Ursachen des ostdeutschen Sportwunders Forschungsthema,  bisher noch wenig betrachtet ist der Schul- und Freizeitsport, mit dem fast alle Menschen, die in der DDR lebten, zu tun hatten. Dabei stellte er für engagierte Personen ein Zentrum ihrer Tätigkeit dar und für viele Kinder und Jugendliche den Dreh- und Angelpunkt der Freizeitgestaltung, ohne, dass es hierbei um Olympiamedaillen ging.

Im Fokus dieses Projektes der Sportwissenschafterin und Historikerin Dr. Juliane Lanz stehem werden sollen Schulsport und  außerunterrichtlicher Sport. Gefragt wird: Was geschah in den vielen Schul- und Betriebssportgemeinschaften, im Hort und im Schulsport? Wie sehr (oder auch nicht) war der Sport politisiert, welche sportpädagogischen Konzepte wurden eingesetzt? Aufschluss geben zum einen die knapp 300 bislang unerforschten Pädagogischen Lesungen mit  Themen von der Spartakiade bis zum Schwimmlager. Zum anderen werden Akten aus Archiven, Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien betrachtet.

Das ab 1965 klar formulierte Ziel, eine allseits entwickelte sozialistische Persönlichkeit zu erziehen, beeinflusste alle Teile der Gesellschaft der DDR. Der Sportunterricht folgte den Vorgaben ebenfalls, wie die Lehrpläne bestätigen. Der Anspruch galt auch für Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Behinderungen, die an sogenannten Hilfsschulen unterrichtet wurden. Dem Sport kam hierbei eine herausragende Rolle zu, denn die mit dem Unterricht verfolgten pädagogischen Anforderungen waren hoch und umfassten sowohl gesellschaftspolitische und ideologische als auch physiologische Ziele, wie eine Lehrplananalyse zeigt. Verschiedene staatlicherseits herausgegebene Materialien, die den Lehrerpersonen u.a. mit den sogenannten „Unterrichtshilfen“ und ähnlichen Publikationen zur Verfügung standen, machten ein Erreichen dieser Ziele – zumindest auf dem Papier – greifbar. Des Weiteren boten sich die Pädagogischen Lesungen, die von Lehrer*innen für Lehrer*innen erstellt wurden, als hilfreiche Unterstützung an, da sie aus der Praxis für die Praxis Material zur Verfügung stellten. Die Analyse letzterer zeigt, dass für engagierte und interessierte Pädagog*innen Spielräume in der Gestaltung des Sportunterrichts existierten, beziehungsweise Lücken identifiziert wurden, denen eigene inhaltliche Konzepte entgegengestellt wurden. Die Erziehung des Hilfsschulkindes zu einer allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit wurde vor allem insofern gefolgt, so lange dieses Ziel half, den Schüler*innen die bestmögliche Chance auf gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Veröffentlichungen zum Thema:

Lanz, J. (2020). Auf dem Weg zur letzten gemeinsamen deutschen Mannschaft – im Ringen um Vormacht, Recht und eigene Interessen im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio 1964, In: Grimm, T. & Wiese, R.: Die Kalten Ringe-Gesamtdeutsch nach Tokio 1964, Bonn: Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, 153-164.

Lanz, J. (2020). Olympischer Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg und die gemeinsamen Olympiamannschaften 1956 und 1960, In: Grimm, T. & Wiese, R.: Die Kalten Ringe – Gesamtdeutsch nach Tokio 1964, Bonn: Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, 117-129.

Lanz, J. (2020). Zur Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit – Sportunterricht an den Hilfsschulen der DDR. Schriftenreihe der Arbeitsstelle für Pädagogische Lesungen an der Universität Rostock, 2 (9), 1-22. https://doi.org/10.18453/rosdok_id00002861

Lanz. J. (2021). Forschung zum Schul- und Freizeitsport der DDR. Zeitzeugen gesucht. Sport in Mecklenburg-Vorpommern, 28 (3), S. 7.

 

 

Kontakt Dr. Juliane Lanz