Sozialistische Schule zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Die Pädagogischen Lesungen in der DDR 1950-1989

Die Arbeitsstelle und ihr Forschungsgegenstand

Die Arbeitsstelle für Pädagogische Lesungen an der Universität Rostock recherchiert und forscht zur Bildung, Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch von Pädagogen*innen in allen Bereichen des DDR-Bildungs- und Erziehungswesens. Der Schwerpunkt des Projektes Sozialistische Schule zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt auf der systematischen Erschließung eines bildungshistorisch singulären Quellenbestandes, dessen Würdigung und wissenschaftliche Analyse bis dato auf sich warten ließ – den Pädagogischen Lesungen. Diese wurden seit den 1950er Jahren staatlich organisiert von Lehrer*innen und Kindergärtner*innen der DDR mit dem Ziel verfasst, eigene berufliche Erfahrungen für die Kollegen*innen nutzbar zu machen.

Die in der Regel 30 bis 50 Seiten langen Unterrichts- oder Bildungsinteraktionsempfehlungen wurden dann durch die zuständigen fachlichen und bildungspolitischen Stellen qualitativ bewertet, um als besonders geeignet eingestufte für eine öffentliche Verlesung und Verbreitung in Fachkreisen auszuwählen. Ungefähr 9.500 Pädagogische Lesungen waren es, die in diesem zentralistisch organisierten Selektionsprozess zwischen 1955 und 1989 über die Pädagogischen Kreis- und Bezirkskabinette zur Popularisierung und danach in die Pädagogische Zentralbibliothek im Haus des Lehrers Berlin gelangten. Der Bestand, der Lesungen aller Unterrichtsfächer und Bildungsgänge ebenso umfasst wie jene zu allgemeinen pädagogischen, didaktischen oder psychologischen Fragestellungen, ist bis heute vollumfänglich erhalten (Homepage der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF).

Die 2019 neu etablierte Rostocker Arbeitsstelle wird im Rahmen eines BMBF-Projekts Bildungs-Mythen – eine Diktatur und ihr Nachleben. Bilder(welten) über Praktiken und Wirkungen in Bildung, Erziehung und Schule der DDR dieses Material systematisch sichten und analysieren ( ). Ausführlichere Informationen zu den Pädagogischen Lesungen als Gesamtkonvolut finden Sie in der ersten Ausgabe der Schriftenreihe unserer Arbeitsstelle (Heft 1). Zudem werden im Rahmen des Projektes diverse Sammlungen (Bilder, Dokumente) und Datenbanken entstehen.

In den Räumen der Arbeitsstelle befindet sich  eine Handbibliothek mit einem umfassenden Fundus relevanter DDR-Fachpublikationen. Gesammelt finden sich hier Werke zur Pädagogik, Didaktik und Methodik, zunächst insbesondere aus den Bereichen Deutschunterricht und Sonderpädagogik. Ebenso findet sich hier eine größere Sammlung von Lehrwerken der DDR. Die Arbeitsstelle bietet gleichfalls die Möglichkeit, in den Fundus der Pädagogischen Lesungen aus den Bereichen Deutschunterricht und Sonderpädagogik einzusehen und an voll ausgestatteten Arbeitsplätzen damit zu arbeiten.

Die Forschungsprojekte befassen sich gegenwärtig vorzugsweise mit den Themen Deutschunterricht und Sonderpädagogik, es wird jedoch ein kontinuierlicher Ausbau der Themen angestrebt. Eine erste Ausweitung erfährt das Projekt bereits heute durch ein Projekt im Kontext Geschichtsuntericht.