Zwischen Drill und Lagerfeuerromantik – Wehrerziehung und Wehrunterricht an Hilfsschulen der DDR im Spiegel der Pädagogischen Lesungen

Katja Koch & Clemens Decker

Im Schuljahr 1978/79 wird ein Unterrichtsfach Wehrerziehung an Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschulen (POS) der DDR eingeführt. Mit diesem Schritt erreicht die Integration wehrerzieherischer Elemente in die Bildungsbiografie junger Menschen ihren Höhepunkt. An den Hilfsschulen des Landes allerdings wird dieses Fach nicht curricular verankert – hier findet Wehrunterricht erst im Rahmen der beruflichen Ausbildung statt. Bis heute ist nur wenig darüber bekannt, wie Wehrerziehung und Wehrunterricht bei Jugendlichen mit kognitiven Beeinträchtigungen gestaltet wurden. Hinweise darauf finden sich in bisher nicht analysierten Erfahrungsberichten, den Pädagogischen Lesungen.

Hier werden die theoretischen Postulate der Wehrerziehung im schulischen Kontext der Hilfsschule ebenso beschrieben wie das didaktisch-methodische Vorgehen unter Berücksichtigung der kognitiven Beeinträchtigungen. Als zentraler Ankerpunkt erweist sich ein spezifischer Integrationsbegriff, der die Verteidigung des Vaterlandes sowohl zur Pflicht eines in die Gesellschaft integrierten Menschen macht als auch zu einem zentralen Element des Gelingens von Integration. Zur Kontextualisierung der Thematik stellt der vorliegende Beitrag zunächst die Entwicklung der schulischen Wehrerziehung für Kinder und Jugendliche bis hin zum Wehrunterricht dar und präsentiert anschließend Lehrwerke, -pläne und Unterrichtshilfen zum Thema Wehrunterricht.

Schriftenreihe der Arbeitsstelle Heft 11 / 2021