Die Pädagogischen Lesungen in der DDR 1950-1989

Forschungsprojekte - Sportunterricht an Hilfsschulen

Das ab 1965 klar formulierte Ziel, eine allseits entwickelte sozialistische Persönlichkeit zu erziehen, beeinflusste alle Teile der Gesellschaft der DDR. Der Sportunterricht folgte den Vorgaben ebenfalls, wie die Lehrpläne bestätigen. Der Anspruch galt auch für Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Behinderungen, die an sogenannten Hilfsschulen unterrichtet wurden. Dem Sport kam hierbei eine herausragende Rolle zu, denn die mit dem Unterricht verfolgten pädagogischen Anforderungen waren hoch und umfassten sowohl gesellschaftspolitische und ideologische als auch physiologische Ziele, wie eine Lehrplananalyse zeigt. Verschiedene staatlicherseits herausgegebene Materialien, die den Lehrerpersonen u.a. mit den sogenannten „Unterrichtshilfen“ und ähnlichen Publikationen zur Verfügung standen, machten ein Erreichen dieser Ziele – zumindest auf dem Papier – greifbar. Des Weiteren boten sich die Pädagogischen Lesungen, die von Lehrer*innen für Lehrer*innen erstellt wurden, als hilfreiche Unterstützung an, da sie aus der Praxis für die Praxis Material zur Verfügung stellten. Die Analyse letzterer zeigt, dass für engagierte und interessierte Pädagog*innen Spielräume in der Gestaltung des Sportunterrichts existierten, beziehungsweise Lücken identifiziert wurden, denen eigene inhaltliche Konzepte entgegengestellt wurden. Die Erziehung des Hilfsschulkindes zu einer allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit wurde vor allem insofern gefolgt, so lange dieses Ziel half, den Schüler*innen die bestmögliche Chance auf gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Lanz, J. (2020). Zur Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit – Sportunterricht an den Hilfsschulen der DDR. Schriftenreihe der Arbeitsstelle für Pädagogische Lesungen an der Universität Rostock, 2 (9), 1-22. https://doi.org/10.18453/rosdok_id00002861